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Kabinett billigt Armuts- und Reichtumsbericht
Wachsende Armut bedroht unsere Gesellschaft. 13 Prozent der Bundesbürger leben in Armut oder stehen unmittelbar davor. Die Regierung billigte am Mittwoch den Armuts- und Reichtumsbericht. Der Bericht ist wegen der verwendeten Daten umstritten.

Vor allem die Kinder leiden unter Armut.

Das Kabinett hat am Mittwoch in Berlin den überarbeiteten dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung gebilligt. Danach lebt jeder Achte in Deutschland an der Armutsgrenze, ohne Sozialleistungen wäre es jeder Vierte. Ein besonders hohes Armutsrisiko haben Zuwanderer, Arbeitslose und Alleinerziehende sowie deren Kinder. Rentnern geht es dagegen vergleichsweise gut.


Die Schere öffnet sich

Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich weiter geöffnet. Die allgemeine Armutsquote beträgt 13 Prozent. Bei den Langzeitarbeitslosen steigt sie auf 43 Prozent, bei Alleinerziehenden auf 48 Prozent: Jede zweite Familie mit nur einem Elternteil ist arm. Unter den Migranten ist das Armutsrisiko geringer als in den beiden anderen Risikogruppen aber mit 28,2 Prozent immer noch mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

In der Bundesrepublik leben rund 15 Millionen Menschen, die selbst oder deren Familien nach Deutschland zugewandert sind. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens vergleichbarer Haushalte zur Verfügung hat. Die Schwelle liegt für einen Alleinstehenden bei 781 Euro im Monat. Im zweiten Armutsbericht, der vor drei Jahren vorgestellt wurde, lag sie bei 938 Euro.

Andere Grundlagen

Die Ursache sind andere Datengrundlagen. Eine Familie mit zwei Kinder gilt als arm, wenn sie weniger als 1640 Euro netto im Monat zur Verfügung hat. Die Einkommensungleichheit hat weiter zugenommen. Zwischen 2002 und 2005 sank der Anteil der unteren Hälfte der Bevölkerung am Gesamteinkommen von 30,4 auf 28,7 Prozent.

Demgegenüber stieg der Anteil des Zehntels mit den höchsten Einkommen am Gesamteinkommen um 1,6 Prozentpunkte weiter an. Über die Entwicklung der Vermögensverteilung macht der Bericht keine Angaben. Dem zweiten Armutsbericht zufolge besaßen die oberen zehn Prozent der Haushalte fast die Hälfte des gesamten Privatvermögens in Deutschland, während die untere Hälfte der Bevölkerung nur auf vier Prozent kam.

Kritik an Scholz

Bundesarbeits- und Sozialminister Olaf Scholz (SPD) hatte den Entwurf des Armutsberichts im Mai vorgestellt und war auf Kritik gestoßen. In den vergangenen Wochen wurden Änderungen eingearbeitet. So werden Mindestlöhne nicht mehr ausdrücklich als Mittel zur Armutsbekämpfung genannt. Der Armutsbericht ist auch fachlich umstritten. Seine Ergebnisse sind in Teilen nicht mit früheren Armutsberichten vergleichbar, da sie auf anderen Daten beruhen.

So wird die Armutsquote unter Kindern mit zwölf Prozent angegeben. Andere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, jedes vierte Kind in Deutschland lebe in Armut. Das Bundesfamilienministerium legte eine eigene Studie vor, wonach die Kinder-Armutsquote 17,3 Prozent beträgt.

Quelle: ZDF heute.de politik

Den 3. Armuts- und Reichenbericht der Bundesregierung können Sie hier runterladen:
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geschrieben am 26.06.2008 um 08:06 Uhr.
 
 
 
 

 
 
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